Straße als Gedächtnis, Andreasstrasse Erfurt
  • lieu de mémoire

    Neue Techniken Lichtsteuerung und neue Leuchtmittel erlauben es, über die reine Beleuchtungsaufgabe hinaus, Stadtlicht als Instrument der Stadtgestaltung zu verwenden. Städtebauliche und kulturhistorische Aspekte des Straßenbildes, die bei Tag nicht sichtbar sind, werden bei Nacht temporär hervorgehoben. Dieser zeitgesteuerte Eingriff erlaubt es Daten und Orte in einen Zusammenhang und im Stadtbild zu verdeutlichen. Ein Beispiel für dieses lieu de mémoire ist das Projekt „Kommunen im neuen Licht, Andreasstraße Erfurt:

     

    In der Andreasstraße entstand ein Farblichtraum, der eine optimale Farberkennung mit hoher Effizienz und geringer Lichtemission verbindet. Durch die Sensorik werden die Lichteigenschaften der Beleuchtung automatisch an wechselnde Bedingungen angepasst. Dabei ist das adaptive Licht der Andreasstraße offen für aktuelle Interaktionen: Bei besonderen Ereignissen kann die Farbe der Gehwegbeleuchtung temporär verändert werden.

     

    Die Begrenzung des LED-Lichts auf die Funktionsbereiche der Straße wird durch Fassadenaufhellungen am Andreasviertel, der Andreaskirche und der Polizei erweitert.  Das Funktionslicht reagiert auf Witterung, Nutzerprofile und Zeithorizonte. Einfahrende Straßenbahnen werden durch grüne Lichtpunkte an den Haltestellen angekündigt.

     

    Der Fassadenraum wird in die Lichtszenen einbezogen und zeigt zu unterschiedlichen Zeiten wechselnde Zeithorizonte im Lichtbild der Straße: So erinnert beispielsweise am 4. Dezember eines jeden Jahres ein wellenförmiger Wechsel in der Lichttemperatur des Gehweglichtes auf der Westseite der Andreasstraße an die Besetzung der Stasiverwaltung an dieser Stelle, initiiert durch 5 Bürgerrechtlerinnen am 4. Dezember 1989. Zum gleichem Zeitpunkt erscheint ein Lichtfenster auf der Wand der Zitadelle Petersberg. Jeden Morgen um 4 Uhr leuchtet im Giebelfenster der Andreaskirche ein Licht auf, das an den Kirchgang der Nonnen erinnert, die vom gegenüberliegenden Kloster der Altstadt über eine Brücke die Kirche zur Frühmesse betraten. Kloster und Altstadt fielen 1814 einem Brand zum Opfer. Der heute sichtbare Höhenunterschied zwischen Andreasstraße und Gehweg entstand durch den Schutt der zerstörten Gebäude und markiert seitdem die Grenze zwischen Staatsgebäuden und bürgerlichem Stadtteil. Das LED-Licht der Straße greift diesen Unterschied auf: Das relativ kühle Licht der Straße wird durch ein bernsteinfarbenes Licht auf dem Gehweg kontrastiert.

     

     

    Projekt Kommunen im neuen Licht, BMBF

    Projektfertigstellung: 2013

    Projektleitung: Evermind Leipzig

    Projektpartner:

    Hochschule für Wirtschaft, Technik und Kultur Leipzig,

    TU-Berlin,

    TH Darmstadt

     

    Lichtplanung: Jürgen Meier